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Schutzkleidung:

Ein weiteres Thema für Glaubenskriege ...

 

Ich halte im Winter sehr viel von Schutzkleidung, sofern sie mich warm und trocken hält. Im Sommer gehe ich gerne mit der Haltung der französischen Polizei konform, die auf alles verzichtet, was Kühlung verhindert.

SO fahre ich seit Jahrzehnten wohltemperiert kreuz und quer durch (fast) ganz Europa, stets bemüht vor allem im Hochsommer andere Verkehrsteilnehmer nicht mit den Folgen eines von mir erlittenen Hitzestaus zu belasten bzw. zu gefährden. Mit anderen Worten: Schutzkleidung halte ich durchaus für wichtig und richtig; wenn ihre jeweilige Nutzung angemessen ist. Schweres, schwarzes Leder ist bei Stadtdurchfahrten mit Temperaturen über 30°C nicht sinnvoll!

Ausgerechnet die von mir verehrten Franzosen zwingen mich in diesen Tagen aber, mich doch mit Schutzkleidung auseinander zu setzen. Darum entsteht heute diese Seite über Motorrad-Handschuhe, der, so Gott will, Beiträge zu weiterer Schutzkleidung folgen werden.


 


Mein ADAC hat mich gewarnt, sowohl über die Vereinszeitschrift als auch über seine Webseite, auf der in der Rubrik 'Reise & Freizeit' über Frankreich zu lesen steht:

Handschuhpflicht für Motorradfahrer

Was Motorradfahrer, die eine Tour in Frankreich planen, wissen sollten: Seit Sonntag, 20. November, ist das Tragen von Handschuhen auf Motorrädern für Fahrer und Beifahrer obligatorisch. Davon betroffen sind auch ausländische Biker. Die Vorschrift gilt für Motorräder, Roller, Mofas, sowie weitere spezielle Motorräder wie zum Beispiel Quads oder Trikes. Die Handschuhe müssen der europäischen Norm entsprechen, erkennbar am CE-Etikett. Wer diese neue Vorschrift ignoriert, riskiert eine Geldbuße von 68 Euro.

Die nächste große Fahrt durch Frankreich ist längst geplant. Sonnenbrand auf den Handrücken ist dabei passé. Ein Blick in die eigene Handschuhsammlung deckt Handlungsbedarf auf. Keines meiner Handschuhpaare trägt irgendwo ein CE Kennzeichen. Freund Ralf hat Handschuhe von BMW. Darin findet sich dieses Zeichen auf einem Aufnäher. Freund Jürgen muß ebenfalls passen.

Eine Durchsicht der Angebote diverser Vertriebsketten zeigt rasch, daß diese sich noch gar nicht mit dieser Thematik befaßt haben. Jedenfalls finde ich zu keinem Handschuhangebot einen Hinweis der Art: "Mit CE Kennzeichnung", "für Frankreich geeignet" oder inhaltlich ähnlich. Wonach soll ich suchen? Muß ich im Frühsommer bei der Einreise nach Frankreich zunächst einen MotoShop anfahren?

Ich frage per Mail lieber meinen Automobilklub:

Handschuhpflicht für Motofahrer in Frankreich

Darüber habt ihr vor wenigen Wochen berichtet. Jetzt habe ich nachgesehen und an keinem Paar meiner vorhandenen Motorrad Handschuhe ein CE-Kennzeichen gefunden. Darf ich diese Handschuhe im kommenden Sommer in Frankreich nicht nutzen?

Bei einem Rundgang in einem Ladenlokal einer der großen 'Ausstatter' habe ich gezielt nach Sommerhandschuhen mit CE-Kennzeichen gesucht - und nichts dergleichen gefunden. Auf Nachfrage bei den anwesenden Verkäuferinnen bin ich auf Unverständnis und Unkenntnis gestoßen.

War die Meldung von der Handschuhpflicht am Ende nur ein grober Scherz? Falls nicht, was ich sehr hoffe, bitte ich um eine sachdienliche Auskunft darüber, nach welcher Kennzeichnung ich am oder im Handschuh suchen muß, um sicher sein zu können, den französischen (und damit wohl den europäischen) Anforderungen an sichere Motorrad Handschuhe genügen zu können.

Ein zögerlicher Austausch mehrerer Mails bringt uns (einen RA des ADAC und mich) letztlich zu der Erkenntnis, daß das CE Kennzeichen NICHT ERFORDERLICH ist. Tatsächlich kann es durchaus irreführend sein. Wichtige Hinweise gibt der französiche Originaltext:

En circulation, tout conducteur ou passager d'une motocyclette, d'un tricycle à moteur, d'un quadricycle à moteur ou d'un cyclomoteur doit porter des gants conformes à la réglementation relative aux équipements de protection individuelle.

Die Handschuhe müssen den Anforderungen eines Regelwerkes über persönliche Schutzausrüstung entsprechen. Aber welches Regelwerk ist das und wie müssen die Handschuhe dann gekennzeichnet sein? Der fleißige Rechtsanwalt des ADAC, Hr. Markus H., findet auch das für uns heraus:

Nach unseren erneuten Recherchen müssen die Schutzhandschuhe für Motorradfahrer der französischen Norm NF EN 13594 (février 2016) entsprechen. Diese französische Norm entspricht dem europäischen Standard EN 13594:2015.

Die entsprechenden Informationen finden Sie auch auf den Internetseiten der zuständigen französischen Behörden welche Sie unter den nachfolgenden Links abrufen können:

http://www.afnor.org/actualites/gants-de-moto-norme-securite-optimale/

https://www.boutique.afnor.org/norme/nf-en-13594/gants-de-protection-pour-motocyclistes-exigences-et-methodes-d-essai/article/800929/fa162081?_ga=1.7652017.2020503336.1485430423

https://www.boutique.afnor.org/xml/1864379/false

Weitere Informationen in Deutsch finden Sie auf der DIN-Homepage unter nachfolgendem Link: http://www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/nps/wdc-beuth:din21:230696822

Hervorragende Arbeit! Für die Nutzung in Frankreich zugelassene Moto-Handschuhe müssen ab sofort die Kennzeichnung des EU Standards EN 13594:2015 tragen. Danke Herr H.! Das ist wirklich informativ und hilfreich!

Und das deckt sich mit einer Rückmeldung der Detlef Louis GmbH, die ich ebenfalls per Mail um Information darüber gebeten hatte, wonach ich bei den Handschuhen ihres Sortimentes schauen muß, wenn ich diese Handschuhe in Frankreich 'fahren' möchte. Frau Anke K. schreibt dazu:

Bei unseren Handschuhen im Online-Shop finden Sie den Button " Eigenschaften ".

Dort finden Sie unter anderem das Feld " Prüfung ".

Anhand dieser Prüfnummer, die sich auch im Handschuh befindet, ist sichergestellt,

dass der Handschuh in Frankreich gefahren werden kann.

Bitte verwenden Sie Handschuhe mit Prüfnummern die 2015 enthalten.

Spannend ist bei der Antwort von Louis, daß diese recht zügig kam. In der Detlef Louis GmbH war das Problem bekannt und ist bereits 'aufgearbeitet'.

Es bleibt noch nachzutragen, daß Freund Ralf mit den 'nicht ganz preisgünstigen' CE Handschuhen von BMW nach wie vor im Regen steht. Die für Frankreich erforderliche Kennzeichnung fehlt in seinen Handschuhen. Das CE Zeichen nutzt ihm rechtlich in Frankreich gar nichts. Ob der Polizist auf der Straße diese Handschuhe als 'ausreichend konform' ansieht, bzw. ob wir überhaupt jemals unsere Handschuhe zur 'Sachprüfung' überreichen müssen, steht ohnehin in den Sternen. Ärgerlich ist dabei wie so oft, daß Ralf die teuersten Handschuhe auf dem Motorrad trägt, ausgerechnet diese aber keine gültige Kennzeichnung tragen.

Ralf hat BMW per Mail mit der obigen Fragestellung konfrontiert:

...

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich plane füe dieses Jahr eine Tour nach Frankreich.
Gemäß Aussage vom ADAC muss ein Handschuh der EN 13594-2015 entsprechen.
In meinen Handschuhen finde ich lediglich eine CE Kennzeichnung.
Darf ich mit diesen Handschuhen in Frankreich einreisen?

...

Die Antwort von Tobias S. bei BMW ist prinzipiell nicht überraschend und zeigt, wie wenig BMW sich tatsächlich um die Käufer scheert und wie erstaunlich uninformiert man dort ist ...

vielen Dank für Ihre E-Mail.
Bitte senden Sie uns einen Link auf die entsprechende Quelle beim ADAC zu. Wir lassen diese daraufhin gerne von unseren verantwortlichen Produktmanagern prüfen.

Bei Rückfragen erreichen Sie uns über die BMW Motorrad Online-Shop-Hotline von Montag bis Freitag von 09.00 bis 17.00 Uhr telefonisch unter der Nummer 0800-3007700 oder per E-Mail.

Offenbar hat man sich bei BMW bisher überhaupt nicht mit diesem Problem befaßt. Ralf ließ nicht locker, sandte die Hintergrundinformationen des ADAC und bekam folgende, ebenso unbefriedigende Antwort:

...
die Norm prEN13594 für Handschuhe findet erst bei unsere aktuellen Handschuhen Anwendung. Konkret sind dies folgende Produkte unserer derzeitigen Kollektion:

- Airflow
- Atlantis
- Double R
- Pro Summer
- Pro Winter
- Rallye
- Two in one ...

Konkret läßt sich das übersetzen mit: Nerven Sie uns nicht weiter, kaufen Sie was wir ihnen anbieten und freuen sie sich über ein weiteres überteuertes und überwertetes BMW-Produkt.

Ralf fährt die Atlantis Handschuhe, die er schon vor 2015 gekauft hat. Daß die Produktnorm prEN13594-2015 auf diese Handschuhe bereits angewandt wurde, muß tunlichst bezweifelt werden. Die Handschuhe sind mit Einnähern ausgestattet auf denen ein CE Zeichen prangt. Das hilft im Zweifel weder Ralf noch dem kontrollierenden französischen Polizist bei der Beurteilung, ob diese Handschuhe der o.a. Norm entsprechen oder nicht. Ralf macht das in einer weitere Mail deutlich:

Hallo Hr. S.,

vielleicht habe ich mich ja ungenau ausgedrückt.

Ich habe mir die Handschuhe Modell Atlantis 3 bei meinem örtlichen BMW Händler gekauft.
Und zwar das Modell, welches hier im Shop für 140 Euro angeboten wird.

http://shop.bmw-motorrad.de/motorrad-de/de_DE/p/-/handschuh-atlantis-anthrazit/PID_10941/#

Das ein Handschuh nach einer Norm aus 2015 nicht vor seiner Einführung geprüft werden kann, ist mir schon klar. Dieses Modell ist ja nicht neu.

Meine Frage, war/ist, ob ich mit diesen Handschuhen in Frankreich fahren darf, also ob dieses Modell der neuen Norm entspricht.
Im Hinweis/Link auf Änderungen zur Norm lese ich, dass lediglich folgende Änderungen vorgenommen wurden:

a) Beschränkung im Anwendungsbereich auf professionelle Motorradfahrer mit Betätigung im Straßenverkehr entfernt;
b) zweite Leistungsklasse eingeführt;
c) Festlegungen von Schutzzonen für Fingerknöchel, Fingerzwischenräume und die Handgelenkslinie hinzugefügt;
d) Begriffsbestimmung des professionellen Motorradfahrers gelöscht;
e) Schutzzone der Aufpralldämpfung für Fingerknöchel hinzugefügt;
f) Anforderungen an die Farbechtheit entfernt;
g) vorherige Anhang A zu Verletzungen von Motorradfahrern und der Auswahl von Schutzhandschuhen gestrichen.

Da es im freien Zubehör Handschuhe in der 20 Euro Klasse gibt, die den entsprechenden Hinweis auf die aktuelle Norm haben, bin ich mir sicher, dass meine Handschuhe locker dieser Norm entsprechen.
Für eine entsprechende Bestätigung hierzu wäre ich Ihnen dankbar.

BMW 'kann einfach nicht kundengerecht'. Obwohl eine (vielleicht) abschließende Antwort des 'Supports' seitens BMW noch aussteht, muß man an dieser Stelle ganz klar erkennen, daß weitere überteuerte Handschuh-Käufe bei BMW schlicht fahrlässig wären wenn man beabsichtigt, damit in Frankreich zu fahren. Zwischen 20,- bis 30,- € verlangt z.Bsp. 'Detlef Louis' für Handschuhe, die mit einem Einnäher ausgerüstet sind, auf dem die Norm prEN13594-2015 ausdrücklich benannt wird. Für 15% bis 25% der Tarife die BMW für seine Handschuhe aufruft, gibt es regelgerechte Handschuhe für jeden Geschmack. Es steht halt nicht das im Mittel etwa 110,- € teuere 'BMW-Zeichen' darauf.

...

Ralf hat nachgefragt und von Tobias S. (BMW) folgende Antwort erhalten:

... wir haben Ihre Frage auch mit unseren Kollegen bei BMW France geklärt. Nach deren Angaben besagt die Norm prEN13594, dass Fahrer und Sozius eines motorisierten Zweirades, Dreirades oder Quads geeignete Schutzhandschuhe tragen müssen. Diese dürfen aber weiterhin nach CE typisiert sein. Die entsprechende Antwort haben wir angeführt. ...

Was soll man DAVON halten? Ganz offensichtlich hat sich Herr S. (oder wer bei BMW auch immer dafür zuständig ist) entweder aus Unvermögen oder schlicht aus Faulheit gar nicht erst die Mühe gemacht, den Text seiner französischen Kollegen zu übersetzen.

Die Antwort von BMW France:

C’est avec une particulière attention que nous avons pris connaissance des termes de votre courrier électronique du 3 février 2017 et avons pris note de votre demande.

Suite à la publication au Journal Officiel le 19 septembre 2016 du décret n°2016-1232 prévoyant l’obligation du port des gants pour les conducteurs et les passagers de motocyclette, de tricycle à moteur, de quadricycle à moteur ou de cyclomoteur, le Ministère de l’Intérieur, par le biais du délégué « deux-roues motorisés » pour la Sécurité Routière, nous a informé que les gants marqués CE uniquement sont conformes à la nouvelle règlementation du 19 septembre 2016.

Nous vous prions d’agréer, Monsieur, l’expression de nos salutations distinguées.

Die Übersetzung des themenrelevanten Anteils:

... entsprechend der Veröffentlichung im Amtsblatt vom 19. September 2016 bezüglich des Dekrets Nr 2016-1232 des Ministeriums des Inneren über die Tragepflicht von Handschuhen für Motorradfahrer und Passagiere, Motor-Dreirad, Quad oder Moped, hat uns der dortige Sprecher bezüglich der Verkehrssicherheit für motorisierte Zweiräder dahingehend unterrichtet, daß das CE-Zeichen nur dann vergeben werden darf, wenn die infrage kommenden Handschuhe den neuen Regelungen vom 19.September 2016 entsprechen. ... [Übersetzung: fprinz]

 

BMW pennt nach wie vor! Das kann Ralf rund 70,- € Bußgeld im kommenden Sommer kosten. Die wird BMW ihm nicht erstatten. Einklagbar wäre diese Summe allenfalls theoretisch. Bei diesem geringen Streitwert wird sich kein Rechtsanwalt finden, der sich dieser Angelegenheit annimmt. Ralf will sich vergewissern und fragt darum noch einmal schriftlich nach:

 

Hallo Hr. S.,

natürlich reicht eine CE Kennzeichnung, ist ja eine Herstellererklärung, wenn dort steht, dass sie "CE zertifiziert nach EN 13594:2015" ist.
Da in den Handschuhen kein Aufnäher darauf hinweist, bitte ich sie mir, diese Erklärung zu senden. Ich werde sie dann mitführen, um in Frankreich bei einer Kontrolle dem Bußgeld zu entgehen.

Lange Rede, kurzer Sinn, Herr S. versteht es einfach nicht. Das alles kostet Zeit. Ralf wird allmählich 'ungehalten'.

 

Hallo Herr S.,

sie scheinen das eigentliche Problem, daß viele ihrer Kunden in der nächsten Saison
betreffen wird, weder sachlich noch rechtlich verstanden zuhaben.
Ich will mit meiner Anfrage weder Sie noch BMW ärgern, sondern das Haus BMW auf
die Änderungen hinweisen, um mögliche Probleme im Vorfeld klären zu können.

Meine mit einem CE Zeichen versehenen Handschuhe vom Typ Atlantis III
habe ich in 2015 bei BMW gekauft. Die damalige CE Kennzeichnung kann
sich zeitlich, rechtlich und sachlich weder auf prEN 13594:2015, noch auf die
auf die, gemäß ADAC inhaltlich gleiche, französischen Norm NF EN 13594 (février 2016) beziehen.

In ihrer Produktbeschreibung heißt es auch heute noch: Zertifiziert nach prEN 13594:2012

In meiner mail vom 02.02. hatte ich die Änderungen zur prEN 13594:2012/2015 beschrieben.

Insofern ist Ihre Aussage vom 14.2. sachlich und juristisch falsch, bzw. im
Ereignisfall (Bußgeld in Frankreich) auch justiziabel!

Sowohl der ADAC als auch ihre französischen Kollegen bestätigen dies.

1. siehe meine mail vom 26.01.
2. Übersetzung ihrer Antwort vom 08.02.
... entsprechend der Veröffentlichung im Amtsblatt vom 19. September 2016 bezüglich des Dekrets Nr 2016-1232
des Ministeriums des Inneren über die Tragepflicht von Handschuhen für Motorradfahrer und Passagiere,
Motor-Dreirad, Quad oder Moped, hat uns der dortige Sprecher bezüglich der Verkehrssicherheit für motorisierte
Zweiräder dahingehend unterrichtet, daß das CE-Zeichen nur dann vergeben werden darf, wenn die infrage
kommenden Handschuhe den neuen Regelungen vom 19.September 2016 entsprechen...


Ich schlage Ihnen vor, die weitere Bearbeitung meiner ursprünglichen
Anfrage entsprechend geschulten Mitarbeitern des Hauses BMW zu übertragen.
BMW muß sich als 'Hersteller' der Handschuhe vor der Kennzeichnung mit
dem CE Zeichen zwingend mit den dafür geltenden nationalen
Vorschriften und der entsprechenden europäischen Richtlinie bezüglich
der Produktbeschaffenheit und der Produkteigenschaften
auseinandergesetzt haben und nachweisen können, daß bei zugehörigen
Untersuchungen diese Handschuhe die in der Richtlinie festgeschriebenen
Anforderungen und Normen erfüllen.

Hierüber muß es im Hause BMW eine zughörige Dokumentation und eine dem
CE Zeichen entsprechende Erklärung geben.

Um diese Erklärung für die Atlantis III Handschuhe bitte ich nunmehr.

Es dauert noch weitere eMails bis Ralf die erbetene Herstellererklärung zu den Handschuhen in Kopie in den Händen hält. Herr S. legt ihm allerdings gleich zwei Erklärungen vor; die prEN 13594:2012 und 13594:2012/2015, wobei die 2012er Erklärung für Ralfs Handschuhe gilt und diese damit für den Gebrauch in Frankreich untauglich erklärt.

Ganz allmählich scheint es Herrn S. ahnungsweise zu dämmern, auf welch dünnem Eis er sich da im Namen seines Unternehmens bewegt. Leider führt das bei ihm aber lediglich zu den auf der kaufmännischen Ebene üblichen Abwehrreflexen. Ralf trägt ihm vor, daß der direkte Vergleich der Norminhalte 2012/2015 keine technischen Merkmale betrifft, sondern vor allem Definitionen zum Geltungsbereich. So ist zum Beispiel der 'berufsmäßige' Motorradfahrer aus der 2012er Norm in der 2015 Entsprechnung gar nicht mehr enthalten. Es sollte jedem Techniker eine leichte, am Schreibtisch zu erledigende Übung sein, mit Hilfe dieses direkten Vergleichs zu erkennen, daß die 'alten' Handschuhe auch die Norminhalte nach -2015 erfüllen und damit das CE Zeichen nach wie vor zu Recht tragen. Eine revidierte Erklärung seitens BMW zu den infrage kommenden Handschuhen wäre schnell und preiswert erstellt.

Herr S. beantwortet dieses Ansinnen pauschal ablehnend. Bereits verkaufte Produkte werden von BMW nicht 'nachzertifiziert'. Ralf soll über Produktphotos selbst beurteilen, ob seine Handschuhe bereits nach -2015 zertifiziert sind oder nicht. Daß sie das nicht sein können, versteht der Herr S. nach wie vor nicht. Damit steht für Ralf fest, daß er sich neue Handschuhe kaufen wird, der rechtlichen Sicherheit wegen. Diese werden nicht aus dem Haus BMW stammen, der prEN 13594:2015 entsprechen und nur etwa 1/4 dessen kosten, was BMW für gleichwertige Handschuhe verlangt.

 

Am Ende bleiben Erstaunen und auch ein wenig Erschütterung zurück, sowie ein deutlicher Hinweis darauf, wo tatsächlich im Sinne der Kunden gearbeitet wird.

Im Sinne der Kunden arbeitet zum Beispiel die Detlef Louis GmbH. Dort wurde das Thema zeitnah aufgegriffen und aufgearbeitet. Kunden werden zügig und sachlich korrekt informiert und bekommen alle notwendigen Hinweise für geplante neue Einkäufe.

Der ADAC startete mit einer ebenso lapidaren wie inhaltlich falschen Notiz in seiner Mitgliedszeitung. Der Themenkomplex EU-Recht und Normen ist dort offenbar nicht durchdrungen worden. Mein Ansprechpartner ließ sich wie ein Dackel zum Jagen tragen, hat aber letztlich die richtigen Schlüsse gezogen und ist nun auf dem aktuellen rechtlichen Stand. Auf eine entsprechende Mitteilung in der Mitgliederzeitschrift (darum habe ich gebeten), warte ich noch.

Für BMW ist der 'After-Sale-Market' nur an der Ladentheke wichtig. Wo technisch anspruchslose Produkte zu überzogenen Preisen an den dummen Kunden gebracht werden können, ist BMW gerne ganz vorne dabei. Das Thema EU-Recht und Normen scheint in diesem Haus nicht besetzt zu sein. Der Kunde ist uninteressant, sobald er bezahlt hat. Seine Probleme sind keinesfalls Probleme des Hauses BMW. Selbst wenn der Kunde einen BMW Dackel unter die Arme nimmt und zum Jagen trägt, windet sich das Biest aus der liebevollen Umklammerung und erklärt, daß es keineswegs bellt nur weil der Herr Kunde das gerade fordert.

Ralf macht es richtig. Er kauft einfach nicht mehr bei BMW. Das tue ich, mit Ausnahme weniger Ersatzteile, schon lange nicht mehr.

Friederich Prinz
Februar 2017